Kelten

Sankt Nikolaus

 

Warum Sankt Nikolaus am 6. Dezember? Woher kommt der Brauch? Woher stammt die Tradition? Samichlaus ist der Nikolaus in der deutschsprachigen Schweiz. Aber warum heisst der Nikolaus in der deutschsprachigen Schweiz überhaupt Samichlaus und wo ist der Bezug zum Weihnachtsmann?

Wie der keltische Sami-Klaus zum Heiligen Sankt Nikolaus wurde

Geschichte, Hintergrund, Ursprung, Herkunft und Bedeutung von Nikolaus

Die Geschichten, Sagen und Legenden rund um den Samichlaus zeigen deutlich und typisch, wie die untergegangene keltische Kultur überlagert wurde. Nach dem Verbot der keltischen [Druiden]-Schulen durch römische Kaiser [Augustus, Tiberius, Claudius] waren die Menschen zwar der Weiter-Bildung, nicht aber ihrer Tradition beraubt. Zur grossen Gegnerin der alten Bräuche wurde später die katholische Kirche, welche das keltische Gedankengut mit der unvergänglichen Seele in der trinitären Mitte nun Schritt um Schritt vernichtete. Der keltische Erbteil wurde zermalmt zwischen jenen gewaltigen Mühlsteinen, der katholischen Heilslehre und dem ursächlich magischen Erlebnis, und zwar herab bis auf seine letzten Äusserungen, die nun durch den katholischen Legenden-Schatz und deren Heiligen ersetzt werden. Aus dem keltischen Druiden als Sami-Klaus [= Samonios] wurde der katholische Nikolaus von Myra, nachdem vorgängig der Ort mit dem eingeschleppten nordischen Geist als Dämon, einem Drachen [katholisch] verteufelt wurde wie untenstehend bei Lenzburg zu lesen ist.

Der schweizer-deutsche Sami-Chlaus hat keinen Bezug zum heiligen Sankt Nikolaus von Myra im christlichen Leib-Seele-Dualismus aus dem Animismus. Sami kann abgeleitet werden vom früheren keltischen Samonios am 1. November und ein Chlaus [Klaus] ist der Bewohner einer Klause. Aus den Sagen, Legenden und dem Wald-Brauchtum drängt sich der Bezug zu den keltischen Druiden und Samonios als geradezu offensichtlich auf. Der römische Lucanus schreibt im 1. Jahrhundert [Pharsalia I, 450]: Die Druiden wohnten in den Tiefen der Wälder [nemora alta] und zogen sich dorthin zurück, wo es keine andere Menschen-Seele gab. Der Klaus als Bewohner der Klause und Samonios [Sami], in der deutschsprachigen Schweiz noch heute der Samichlaus [Samonios-Klaus]. Als die Sami wird schweizer-deutsch gemeinsames, zusammengehörendes bezeichnet und dies war auch der gedankliche Inhalt einer ehemals keltischen Wiënacht bzw. Aller-Seelen in der Nacht auf den 1. November.

Der Sami als Niggi-Näggi

Mit dem Volksmund in Kinder-Reimen wird der Samichlaus angesprochen als Sami-Niggi-Näggi, hed en Bart wie öise Ätti [= hat einen Bart wie unser alter Vater]. Warum Niggi-Näggi? Sami ist und bleibt der traditionelle Anlass resp. der Klaus. Der neue katholische Nikolaus wurde übernommen als Niggi, ein schweizer-deutscher Niggel aber ist ein Mann der sein Handwerk nicht versteht und leitet über niggelen zum näggelen, was auf gut Glück versuchen bedeutet.

In keltischer Kultur war die Nacht der Nächte mit Aller-Seelen am 1. November bezogen auf die Tagundnachtgleiche im September als der Gegenpol zur Auferstehung der Natur mit der Tagundnachtgleiche im März und dem Anlass Beltane am 1. Mai. Samonios [Samain] als Allerseelen wurde ersetzt mit den katholischen Allerheiligen und neu verankert in einer heiligen Nacht der Nächte wie vorher, nun aber Ende Dezember und bezeichnet mit Weihnacht sowie sinnfrei bezogen auf die längste Nacht im Dezember, [Wintersonnenwende], resp. auf die unbesiegte Sonne, den römischen Sol Invictus.

Im schweizer-deutschen Dialekt mit helvetisch-keltischem Einfluss hat das Wort Wiënacht [Wie-Nacht], vermutlich von mhd. *wichnaht [geweiht wird was wichtig ist, ursprünglich demnach die Wichtige-Nacht welche bloss katholisch umgedeutet wurde] für Weihnacht sprachlich keinen offensichtlich direkten Bezug zum standard-deutschen Begriff der Weihe und der [irgendwem] geweihten Nacht. Die Weihe wäre schweizer-deutsch d'Weyi bzw. Weynacht. Wenn die Vorstellung der unvergänglichen Seele in die Überlegungen einbezogen wird, sind für die überlieferten, regional unterschiedlichen Bräuche die naheliegenden und einleuchtenden Erklärungen möglich. In den Zusammenhang des keltischen Samonios gehören auch Martini, Samichlaus, Weihnachten und Silvester. Nicht zufällig zählen dazu die ersten Heiligen der neuen, die keltische Kultur überlagernden Geistlichkeit, die keine Märtyrer waren und im Christentum als apostelgleich gelten, nämlich Martin und Nikolaus.

Als Namenstag von Sankt Nikolaus war der 6. Dezember festgesetzt worden. Dieses Datum wurde auch der eigentliche Bescherungstag für die Kinder, der erst im Laufe der Reformation und deren Ablehnung der Heiligenverehrung in vielen Ländern auf den 24. bzw. 25. Dezember rückte. Ab dem 16. Jahrhundert, nach dem Konzil von Trient, wurde der katholische Nikolaus zuerst zum Visitator, der in Begleitung eines gezähmten Teufels die Kinder zu Hause besuchte und kontrollierte, ob die Kinder im vergangenen Jahr brav oder unartig gewesen waren und wurde dann später als Gabenbringer zum Weihnachtsmann [aber ohne Zusammenhang mit dem Samonios-Klaus im Gedenken Aller-Seelen in der heiligen Nacht, welche vom 1. November auf den 25. Dezember verlagert wurde].

Eindrücklich ist die Verbreitung vom Brauchtum der Kläuse in ganz Europa. Der Brauch wird heute regional sehr unterschiedlich praktiziert. Auch die Namen des Samichlaus [Nikolaus] und seines Begleiters sind verschieden. In der Schweiz ist zum Teil noch Brauch, am Klaustag Lebkuchen, Birnenbrote, Weggen und vielerorts Gritti-Bänze aus Zopfteig aufzutischen.

Uraltes Klaus-Brauchtum rankt sich vielerorts auch noch um die Tage des Jahreswechsels, der ja früher nicht wie heute am kalendarischen Silvester, sondern an Samonios am 1. November [Allerseelen, Halloween] stattgefunden haben soll, aber nicht als Jahreswechsel in einem Jahreskreis, sondern als Halbzeit-Wechsel [siehe keltischer Festkalender].

Bemerkenswert jedenfalls ist die Nähe einerseits zeitlich zum früheren keltischen Allerseelen, dem späteren Weihnachten mit Neujahr und andererseits zu jenen Sagen, die einen erzieherischen Aspekt enthalten. Lob und Tadel, Geschenke oder Rute und Fitze. Zur Seelsorge gehört Lob und Tadel, das Verhalten die Kooperation betreffend. Viele halten sich nur an soziale Normen wie Fairness, Kooperation oder Ehrlichkeit, solange sich ihr Umfeld auch daran hält. Ordnung kann leicht ins Chaos kippen.

[weitere Kläuse: Heidenturm bei St. Niklausen, Niklaus von Flüe]



Chlaus-Chlöpfen in Lenzburg [Schweiz]

Das Schloss Lenzburg oberhalb der Altstadt von Lenzburg im Schweizer Kanton Aargau und zählt zu den ältesten und bedeutendsten Höhenburgen der Schweiz. Der markante Schlosshügel diente schon in prähistorischer Zeit als Siedlungsstätte. 1959 wurde beim Parkplatz am Nordfuss des Schlossbergs ein Gräberfeld aus der Jungsteinzeit ausgegraben. Weitere Kleinfunde stammen von den Römern und den Alemannen.

Eine Sage erzählt, dass in einer Höhle auf dem Schlossberg einst ein Drache hauste. Dieser wurde von zwei Rittern, Wolfram und Guntram, bezwungen. Die dankbaren Bauern erkoren die beiden zu Grafen von Lenzburg und gaben ihnen die Erlaubnis, auf dem Drachenfelsen eine Burg zu errichten.

Eine alte Lenzburger Sage berichtet: "Es war einmal vor ewigen Zeiten, als der Samichlaus tief im Goffersberg bei Lenzburg wohnte. Wie jedes Jahr an seinem Namenstag stieg der alte Chlaus beim Eindunkeln die vielen Stufen hinunter in die Stadt. Zweck seines jährlichen Ausfluges war es, die Leute im Städtchen zu besuchen und sie mit Ratschlägen und kleinen Geschenken glücklich zu machen.

Doch eines Jahres war es mit der Herrlichkeit vorbei, denn böse Buben streuten Erbsen auf die Treppe, die zur Chlauswohnung führte. Als der Samichlaus in die Stadt hinuntersteigen wollte, rutschte er aus, kollerte die Treppe hinunter und tat sich an allen Gliedern weh. Doch dies war noch nicht alles. Im Städtchen wimmelte es von Buben in Chlausmänteln. Sie zogen von Haus zu Haus und verspotteten den alten Mann.

Der alte Samichlaus zog sich in seine Wohnung zurück. Verärgert und voller Groll schlug er donnernd die Türe hinter sich zu, wodurch der Eingang verschüttet wurde. Als im darauf folgenden Jahr kein Chlaus erschien, tat den Kindern der Streich leid und sie beschlossen, mit langen Geisseln [Peitschen] Lärm zu machen. Der beleidigte Samichlaus sollte dadurch geweckt und dazu animiert werden, die Leute wieder zu besuchen.

Bis zum heutigen Tage wurde der Chlaus nicht mehr gesehen. Deshalb wird die Tradition des Chlauschlöpfens jedes Jahr weitergeführt."




Iffelen KüssnachtChlausjagen in Küssnacht am Rigi [Schweiz]

Ein Donnerschlag, die Strassen-Beleuchtung erlischt, finstere Nacht. Der Klaus-Umzug beginnt seinen Lauf. Zuvor haben Geissel-Chlepfer die Zuschauer mit ihrem Können begeistert. Und schon huschen lautlos die ersten der bis zu 180 Iffelen vorbei. Allmählich wird der von den Musikanten geblasene Dreiklang hörbar. Zwischen Iffelen und Musik schreitet würdig der Klaus, begleitet von Schmutzlis und Fackel-Trägern. Nach den Musikanten folgt der Harst der Klaus-Jäger, etwa 900 Mann, die ihre Treicheln in gleichmässigem Takt schwingen. Der archaische Lärm dringt durch Mark und Bein! Den Schluss des Zuges bilden gegen 200 Horn-Bläser.

Das alte Treiben muss in der Bevölkerung stark verwurzelt gewesen sein. Nach der Christianisierung konnten die Glaubensboten ein Verbot dieser Sitten und Gebräuche kaum durchsetzen. Doch auch das christianisierte Klaus-Jagen verkam mit der Zeit zum Ärgernis. Diesem Umstand ist seine erstmalige Erwähnung im Küssnachter Ratsprotokoll von 1732 zu verdanken: Wegen den Buben, die durch ihr Hornblasen und Tricheln nächtlicher Zeit die Leute so beunruhigen, ist erkannt, dass bei einem Pfund Busse sie solches in solchem Ungestüm nicht mehr tun sollen. Damit wurde nicht das Jagen als solches, sondern aufgetretene Auswüchse verboten. Doch ehe dem alten Brauch das Toten-Glöcklein geläutet wurde, schlossen sich im Jahre 1928 einige Küssnachter zusammen zur Erhaltung dieses bodenständigen Brauches. Sie beschlossen den Klaus-Umzug würdig zu begehen. Heute ist das Küssnachter Klausjagen am Rigi beim Vierwaldstätter See einer der imposantesten Klausbräuche Europas.




Silvesterkläuse UrnäschSilvesterklausen von Urnäsch [Schweiz]

Das Claustreiben zum alten Sylvester ist einer der eindrücklichsten Winterbräuche im Appenzeller Hinterland und zieht jedes Jahr eine enorme Anzahl an Zuschauern aus der Schweiz und den umliegenden Länder an.

In den ersten Morgenstunden, also noch Nachts, des Silvestertages sind viele der Urnäscher Klausschuppel [Gruppen] unterwegs zum Frühklausen. Bei einem Freund oder Mitglied der Gruppe wird gchlauset und zauret, allerdings noch ohne Maske und Kopfputz. Erst in der Morgen-Dämmerung geht dann das eigentliche Silvesterklausen an.

Gruppenweise ziehen die Kläuse von Haus zu Haus, voran der Vorrolli, in der Mitte schön hintereinander die Schelli und am Schluss der Noerolli [Nachrolli]. Vor einem Haus stellen sie sich in einem Kreis auf, schellen und rollen, dass es eine Art hat, beruhigen sich dann und stimmen ein Zäuerli an. [Das Zäuerli ist ein ganz spezieller Naturjodel ]. Das wiederholt sich üblicherweise dreimal. Dann wünschen die Kläuse dem Hausherrn und seiner Familie mit kräftigem Händedruck ein gutes neues Jahr, erhalten ein Geld-Geschenk und ziehen in der gleichen Reihenfolge, wie sie gekommen sind, zum nächsten Haus. Am Abend ziehen die Kläuse von einer Wirtschaft zur anderen und zeigen sich den vielen Besuchern und Bewunderern aus nah und fern.




Die Neujahrsänger von St. Niklaus [Wallis/Schweiz]

Seit Menschengedenken ziehen in Zaniglas die Neujahrsänger an Silvester von Haus zu Haus und von Stube zu Stube, um Glückwünsche fürs kommende Jahr zu überbringen. Dabei werden die Wünsche nicht gesprochen, sondern in Form einer alten Weise gesungen. Am Silvestermorgen schwärmen darum rund hundert Sänger in fünf Gruppen eingeteilt in die entlegensten Weiler aus, um dann in einem sternförmigen Marsch in Richtung Dorfkern zurückzukehren.

Die fünf Sängerposten bestehen aus einem Klarinettenspieler, einem Trompeter, dem Vorsänger und dem eigentlichen Chor. Mit einem freundlichen "As güäts Niwws und alles Güäta" stellen sich die Sänger dann jeweils in der Stube oder in der Küche vor einem Christbaum auf und singen die heimeligen Strophen, das "Zaniglaserliedi". Die Weise besteht aus fünf Elementen. Im Eingangslied, dem Ansingen, werden die jeweiligen Familien begrüsst und beglückwünscht. Das darauffolgende Neujahrslied besteht aus sieben Strophen, deren Interpretation teils recht schwierig ist. Die überlieferten Verse im eher schwerfälligen "Altdeutsch" haben einen religiösen Hintergrund und dienen quasi als Leitfaden für ein sündenfreies und anständiges Leben. Auf diesen Teil des Liedes folgen dann jeweils in zwei Strophen das Weihnachts- und das Hirtenlied. Im Ausgangslied bedanken sich die Sänger. Nach einem kurzen Händedruck aller Anwesenden gehts dann weiter in die nächste Stube.




Märlitram Zürich
Das Märlitram für die Kinder
Strassenbahn in der Stadt Zürich

Weihnachtsmann




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