Brauchtum Neujahr - Silvester Bräuche Dreikönig - Bercht (Percht) - Befana - Spräggele - Sträggele
Neujahr, auch Neujahrstag, der erste Tag des Jahres nach dem gregorianischen Kalender am 1. Januar. Im früheren julianischen Kalender, bis zur Festsetzung des Neujahrstages im Jahr 1691 durch Papst Innozenz XII. auf den 1. Januar galt in weiten Teilen Europas der 6. Januar oder der 25. März (Mariä Verkündigung) als Jahresbeginn.
Der Neujahrstag bildet heute im Brauchtum eine Einheit mit dem vorangehenden Silvester. Der Name Silvester geht zurück auf die im Jahr 1582 durchgeführte Gregorianische Kalenderreform, welche den letzten Tag des Jahres vom 24. Dezember auf den 31. Dezember verlegte und das war zufällig der Todestag des Papstes Silvester I. (31. Dezember 335). Der Gregorianische Kalender, benannt nach Papst Gregor XIII., ist der heute in den weitaus meisten Teilen der Welt gültige Kalender. Auslöser für die Kalenderreform waren zunehmende Probleme mit der christlichen Osterrechnung im damals üblichen Julianischen Kalender, da ein Julianisches Kalenderjahr um etwa 11 Minuten länger ist als das astronomische tropische Jahr, verschob sich der astronomische Frühlingsanfang etwa alle 130 Jahre um einen Tag auf ein früheres Kalenderdatum. Der Gregorianische Kalender ist nun im Verhältnis zur astronomischen Wirklichkeit nur noch 27 Sekunden pro Jahr zu lang.
Beginnend im fernen Osten bei der Datumsgrenze, durchläuft heute der Silvester mit seinen Feuerwerken die Zeitzonen rund um den Globus. Der rein kalendarische Jahreswechsel am 31. Dezember hat sich einerseits global durchgesetzt und hat sich andererseits zum wichtigen Volksfest mit Festessen, Bällen, Partys und, um Mitternacht, Glockengeläute und Sektkorkenknall entwickelt. Neue Akzente bringen der Festtagstourismus als "Fluchtmodell" (oft verbunden mit Weihnachten), Silvester am Bildschirm sowie die öffentlich begangenen Neujahrsfeiern in den Städten, meist verbunden mit einem grossen Feuerwerk.
An manchen Orten werden regional noch Bräuche aus vergangenen Zeiten gelebt, die an eine frühere Kultur erinnern mit von Haus zu Haus ziehen, Kläuse, Sternsingen, Orakel mit Bleigiessen usw.
Der kalendarische Jahreswechsel mit Neujahr/Silvester hat aber nichts mehr zu tun mit dem gedanklichen Inhalt von Samonios, Allerseelen der Kelten. Ein ursprünglich keltisches "Neujahr" (im übertragenen Sinn) kann, so man will, in einer Vergegenwärtigung von Vergangenheit und Zukunft der Seele gesehen werden, wie noch heute mit Weihnacht möglich und dem Gegenpol Ostern/Beltane.
Die Rauhnächte gehören inhaltlich zum keltischen Samonios, Samhain, Samain, Halloween, Allerseelen, siehe nachstehend.
Nebst dem Anstossen auf ein Gutes Neues und den damit verbundenen Glückwünschen eignet sich der Silvester für politische Neujahrsansprachen, zum Festlegen von guten Vorsätzen für das kommende
Jahr.
Bërchtelistag (Berchtoldstag), 2. Januar, Bercht (Percht)
Im Mittelalter wurde ein verkleidet herumziehen und heischen, also eine essbare Gabe verlangen, auch als bërchten oder bërchtelen bezeichnet. Der Begriff stammt aus der Mundart und hat nichts mit Berchtold zu tun. Die Bercht ist eine Spukgestalt, die noch heute in der italienischen Schweiz, dem Tessin, als Belfana erscheint (siehe unten). Der ursprüngliche Brauch gehört zu den regionalen Klausbräuchen bzw. zum keltischen Samonios. Mit der Reformation im 16. Jahrhundert löschten die reformierten Kantone viele Traditionen in den Städten erfolgreich aus, in den katholischen Gebieten hatte die Fasnacht den Vorrang mit dem dort wichtigen Dreikönigstag. Allgemein ist heute der Bärchtelistag oder Bärzelitag ein zusätzlicher arbeitsfreier Tag nach dem Neujahrstag. Regional wird der Bärzeli-Brauch noch gepflegt.
Dreikönigstag, BefanaDer Dreikönigskuchen wird nur für den Dreikönigstag (6. Januar) gebacken. In einem der Stücke befindet sich ein kleiner Plastikkönig. Wer dieses Stück mit dem Glücksbringer erwischt, darf für einen Tag König oder Königin sein und die Krone tragen.
Wie in anderen katholischen Gebieten ist der Dreikönigstag in der italienischen Schweiz, im Tessin südlich der Alpen ein wichtiger Feiertag. In einigen Dörfern lebt dazu die Tradition der Befana, einer Spukgestalt. Sie kann als Gabenbringerin, als Nachts die Häuser besuchende Spinnstubenfrau, aber auch als Kinderschreck auftreten. Die Befana fliegt jeweils in der Nacht auf den 6. Januar auf einem Besen durch die Luft und steigt durch den Kamin in die Häuser ein. Sie füllt die Strümpfe, die die Kinder bereitgelegt haben, mit Nüssen, Mandarinen, Süssigkeiten und anderen kleinen Geschenken. Böse Buben und böse Mädchen erhalten nur Kohlestücke. Nördlich der Alpen ist dies der Brauch des Samichlaus, Sankt Nikolaus.
Die Darstellung der Befana/Bercht als Hexe macht sie zu einem Motiv der bevorstehenden Fasnacht.
Diese Inhalte sind Belege für das Absorptionsvermögen des jungen Christentums. Denn sie deuteten und formten heidnische Feste um. Als einziger der Evangelisten berichtet Matthäus von Sterndeutern, die aus dem Osten kommen, um den Messias anzubeten. Doch ist bei ihm weder von Königen noch von der Dreizahl die Rede. Mit der Überführung ihrer Gebeine von Mailand nach Köln 1164 erhielt die Verehrung der Könige Auftrieb.
Mit Blick auf den Beginn des früheren Arbeitsjahres an Lichtmess (Imbolg, Imbolc) am 1. Februar ist Dreikönig regional auch Start der Vorbereitungen für die Fasnacht, früher wohl Gelegenheit, manche Tätigkeiten und Beziehung neu zuzuordnen. Das sich maskiert begegnen im Februar [mit Start im November an Martini] hat vermutlich mehr mit einer einst üblichen Neuverteilung der Abhängigkeiten und Zuständigkeiten zu tun als mit den stets rezitierten und voneinander abgeschriebenen Fantasien von Geistern und Dämonen über Maskenbrauchtum. Fasnacht, die Zeit der Verwandlung - Maskerade beinhaltet in erster Linie die anonyme Begegnung auch von sich Bekannten (bis zur Demaskierung). Weiterlesen ... Fasnacht, Fastnacht, Fasching, Karneval, Fünfte Jahreszeit.
Die [germanischen] Rauhnächte, Rauhnacht, Raunächte, Rauchnächte, zwölf Nächte, Zwölfte
Wortherkunft : Die Bezeichnung gehe auf das mittelhochdeutsche Wort rûch (haarig) zurück. Das Adjektiv rauh bzw. rau bzw. (uneben) gehört zur selben Wortfamilie. Die Nächte stehen in enger Verbindung mit Ritualen rund um das Nutzvieh, aber auch Verwandlungen in Mischwesen zwischen Tieren und Menschen oder haarige mythische Wesen. Eine Herleitung des Wortes Rauhnacht vom traditionellen Beräuchern der Ställe mit Weihrauch durch den Priester oder den Hofbauern ist zwar in der Fachliteratur durchaus anzutreffen, es handelt sich dabei mutmasslich um eine sekundäre Umdeutung im Zuge der Christianisierung der als älter vermuteten Zwölfnachts-Bräuche. Diese Interpretation ist ebenfalls recht alt, schon Johannes Boemus (1520) und Sebastian Franck (1534) berichten über das Beräuchern: Die zwolff naecht zwischen Weihenacht und Heyligen drey Künig tag ist kein haus das nit all tag weiroch rauch in yr herberg mache / für alle teüfel gespenst vnd zauberey. Glöckelnächte bezieht sich auf das Glöckeln, von Tür zu Tür gehen und anläuten, ein Einkehrbrauch.
Kalendarische Grundlagen: Seinen Ursprung hat der Brauch vermutlich in der Zeitrechnung nach einem Mondjahr. Ein Jahr aus zwölf Mondmonaten umfasst nur 354 Tage. Wie in allen einfachen, nicht-interkalierenden Lunisolarkalender (also allen Mondkalendern, die keine ganzen Mondmonate in mehrjährigem Rhythmus als Schaltmonate einschieben, um mit dem Sonnenjahr in Übereinstimmung zu bleiben), werden die auf die 365 Tage des Sonnenjahres fehlenden elf Tage, beziehungsweise zwölf Nächte, als tote Tage (das sind Tage ausserhalb der Zeit, im Besonderen ausserhalb der Mondmonatsrechnung) eingeschoben. Von solchen Tagen wird in Mythologien weltweit verbreitet angenommen, dass die normalen Gesetze der Natur ausser Kraft gesetzt seien, und daher die üblichen Grenzen zu gewissen anderen Welten fallen. In vielen Kulturen, die so ein Kalendersystem verwenden, sind in dieser Zeitspanne mythische und magische Rituale üblich, und solche Bräuche haben sich im Brauchtum bis heute erhalten; welcher der Bräuche wie alt ist, lässt sich im allgemeinen nicht mehr genau feststellen. Stützung fanden die Rauhnächte, sofern sie auf germanische oder vorgermanische Wurzeln zurückgehen, in der auch aus dem östlichen und zentralen Mittelmeerraum stammenden Interkalation zwischen Mond- und Sonnenjahr, die auch in christliche Mythenbildung übergegangen ist: So findet sich etwa ein enger Bezug mit der Sterndeutersage (Heilige drei Könige), wie sie im Matthäusevangelium (Mt 2,1-12) überliefert ist.
All' diese früheren Vorstellungen basieren noch auf der falschen Annahme, eine Allmacht würde, etwa als Gott verkörpert in der Sonne, den Menschen [Erde] umkreisen. Tatsächlich aber dreht sich die Erde und umkreist die Sonne als eine von Milliarden an Sonnen in der Galaxie als einer von Milliarden von Galaxien.
Nibelungen, Wilde Jagd, Wotan, Vuotisheer, [Wuodan, Wuotisheer], Türst [Dürst], Sträggele [Strichele], spräggele
In das schweizerdeutsch sprachige, ehemals helvetisch-keltische Gebiet wurde ein Arme-Seelen-Glauben vermutlich aus dem Norden die Reuss aufwärts eingeschleppt und ist vor allem in Sagen um die Stadt Luzern, Pilatus [Drachen], Entlebuch und Haslital überliefert. Diese regionalen Besonderheiten haben aber keine erkennbar nachhaltig kulturelle Wirkung entfaltet [vielleicht mit Ausnahme auf das Konzil von Basel (1431-1449) und der resultierenden Verfolgung von Hexen].
Das nordisch germanische Asatru ist im schweizerdeutschen Raum weitgehend bis vollständig unbekannt. Von den nordischen Spukgestalten, den Trollen, Zwergen, Riesen und wie sie alle heissen, fehlt im Gebiet der ehemals keltischen Helvetier jede Spur. Hier hat das magische Bild die Umbildung der deutschen Nibelungensage nicht mitgemacht, regionale Abweichungen ausgenommen. Die Gespenster entstammen überwiegend dem kirchlichen Armenseelenglauben [weiterlesen ... Spukgestalten].
Silvesterchlausen Urnäsch
Silvesterchlausen Herisau
Harder-Potschete Interlaken
Neujahrssänger im Wallis
Greiflet am Dreikönigstag
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