Kelten

 

Neujahr - Silvester

Ursprung, Herkunft, Sinn, Bedeutung und Brauchtum

keltisches Neujahr

Der moderne kalendarische Jahreswechsel mit Silvester-Neujahr hat keinen Zusammenhang mit einem angeblich keltischen Neujahr resp. dem gedanklichen Inhalt von Samonios, Allerseelen der Kelten. In keltischer Kultur wurden 60 Monate in einer Einheit erfasst mit mehreren Halbzeit-Wechsel jeweils zu den beiden Tagundnacht-Gleichen im Frühling und Herbst. Ein ursprünglich keltisches Neujahr [im übertragenen Sinn] kann, so man will, in einer Vergegenwärtigung von Vergangenheit und Zukunft der Seele gesehen werden, was noch heute mit Weihnacht und dem Gegenpol Ostern resp. Beltane möglich ist.



Januar = Janus

Janus = 1. Januar

Im antiken Rom blickten die beiden Gesichter der Janus-Statue im Janus-Tempel, bei geöffneten Toren für alle zu erkennen, je eines nach Westen und eines nach Osten. Falls damit Auf- und Untergang der Sonne resp. ein länger oder kürzer werden der Tage oder Nächte markiert wurde, entspricht dies dem Bezug zu den beiden Sonnenwenden im Juni und im Dezember. [In keltischer Kultur ist das die vertikale Achse innerhalb der Halbzeit-Achse im Keltenkreuz].

Warum ist Neujahr überhaupt am 1. Januar?

Im Jahr 153 v.Chr. war im römischen Kalender der bisher auf den Frühlingspunkt im März bezogene Jahresbeginn vom 1. März auf den Amtsantritt der Konsuln am 1. Januar gesetzt worden und dann wieder zurück auf den März. Weil der alte Kalender der Römer jedes Jahr einen Tag zuviel zählte, konnte das exakte Datum der Tagundnacht-Gleiche, der Frühlingspunkt am 21. März durch Zählung nicht bestimmt werden resp. war falsch. Der römische Iulius Cäsar verlegte mit dem noch immer ungenauen julianischen Kalender 46 v.Chr. den Jahresanfang auf das Fest zu Ehren des Janus [= 1. Januar] aus der römischen Mythologie. Nach dem Untergang der keltischen Wissenschaft der Druiden in Westeuropa hatte der nachfolgende Katholizismus als auf Nicht-Wissen basierendes Glauben [= Scholastik] das für den Klerus unlösbare Problem, dass auch mit dem julianischen Kalender der Frühlingspunkt bzw. die Tagundnachtgleiche nicht bestimmt werden konnte. Das Osterdatum verschob sich jedes Jahr um 11 Minuten weiter in Richtung Sommer. [Lesen Sie dazu bitte: der keltische Kalender und der Tanz der Sonne an Ostern.] Um dem ausschweifend heidnischen Treiben ein Ende zu setzen verlagerte die katholische Kirche im Jahr 567 n.Chr. das Datum wieder auf den 1. März. Ohne Erfolg, die alten Bräuche liessen sich nicht ausmärzen.

Der Neujahrstag bildet heute im Brauchtum eine Einheit mit dem vorangehenden Silvester. Der Name Silvester geht zurück auf die im Jahr 1582 durchgeführte Gregorianische Kalenderreform, welche den letzten Tag des Jahres vom 24. Dezember auf den 31. Dezember verlegte und das war zufällig der Todestag des Papstes Silvester I. [31. Dezember 335]. Der Gregorianische Kalender, benannt nach Papst Gregor XIII., ist der heute in den weitaus meisten Teilen der Welt gültige Kalender. Auslöser für die Kalenderreform waren zunehmende Probleme mit der christlichen Osterrechnung im damals üblichen Julianischen Kalender, da ein Julianisches Kalenderjahr um etwa 11 Minuten länger ist als das astronomische tropische Jahr, verschob sich der astronomische Frühlingsanfang etwa alle 130 Jahre um einen Tag auf ein früheres Kalenderdatum. Der Gregorianische Kalender ist nun im Verhältnis zur astronomischen Wirklichkeit nur noch 27 Sekunden pro Jahr zu lang.

Neujahr, auch Neujahrstag

Der erste Tag des Jahres nach dem gregorianischen Kalender am 1. Januar. Im früheren julianischen Kalender, bis zur Festsetzung des offiziellen Neujahrstages im Jahr 1691 durch Papst Innozenz XII. auf den 1. Januar galt im Mittelalter in weiten Teilen Europas der 25. März [Mariä Verkündigung] als Jahresbeginn.

Beginnend im fernen Osten bei der Datumsgrenze, durchläuft heute der Silvester als Veranstaltung mit seinen Feuerwerken die Zeitzonen rund um den Globus. Der rein kalendarische Jahreswechsel am 31. Dezember hat sich einerseits global durchgesetzt und hat sich andererseits zum wichtigen Volksfest mit Festessen, Bällen, Partys und, um Mitternacht, Glockengeläute und Sektkorkenknall entwickelt. Neue Akzente bringen der Festtags-Tourismus als Flucht-Modell [oft verbunden mit Weihnachten], Silvester mit virtueller Party am Bildschirm sowie die öffentlich begangenen Neujahrsfeiern in den Städten, oft zusammen mit einem grossen Feuerwerk.

An manchen Orten werden regional noch Bräuche aus vergangenen Zeiten gelebt, die an eine frühere Kultur erinnern mit von Haus zu Haus ziehen, Kläuse, Sternsingen, Orakel mit Bleigiessen usw. Die germanischen Rauhnächte gehören inhaltlich zum keltischen Samonios [auch Samhain, Samain, Halloween, Allerseelen], siehe bei Weihnachten.

Nebst dem Anstossen auf ein Gutes Neues und den damit verbundenen Glückwünschen eignet sich der Silvester für politische Neujahrsansprachen, zum Festlegen von guten Vorsätzen für das kommende Jahr.

Silvester


Einen guten Rutsch wünschen

Die Bewegung rutschen ist eine Form von gleiten. Hier vom alten Jahr ins Neue. Der römische Janus blickt gleichzeitig vorwärts und zurück. Eine Redewendung mit gutem Rutsch muss nicht zwingend einen Zusammenhang haben mit einem etymologischen Hintergrund wie von manchen behauptet wird. Die Rutsch-Bahn ist das Fest vor und nach 00.00 Uhr, demnach bedeutet gut rutschen auch ein ausrutschen ohne hinzufallen ...



Neujahr Silvester

Bräuche Dreikönig - Bercht [Percht] - Befana - Spräggele - Sträggele


Dreikönigskuchen

Bërchtelistag [Berchtoldstag], 2. Januar, Bercht [Percht]

Im Mittelalter wurde ein verkleidet herumziehen und heischen, also eine essbare Gabe verlangen, auch als bërchten oder bërchtelen bezeichnet. Der Begriff stammt aus der Mundart und hat nichts mit Berchtold zu tun. Die Bercht ist eine Spukgestalt, die noch heute in der italienischen Schweiz, dem Tessin, als Belfana erscheint [siehe unten]. Der ursprüngliche Brauch gehört zu den regionalen Klausbräuchen bzw. zum keltischen Samonios. Mit der Reformation im 16. Jahrhundert löschten die reformierten Kantone viele Traditionen in den Städten erfolgreich aus, in den katholischen Gebieten hatte die Fasnacht den Vorrang mit dem dort wichtigen Dreikönigstag. Allgemein ist heute der Bärchtelistag oder Bärzelitag ein zusätzlicher arbeitsfreier Tag nach dem Neujahrstag. Regional wird der Bärzeli-Brauch noch gepflegt.

Dreikönigstag

Der Dreikönigskuchen wird nur für den Dreikönigstag [6. Januar] gebacken. In einem der Stücke befindet sich ein kleiner Plastikkönig. Wer dieses Stück mit dem Glücksbringer erwischt, darf für einen Tag König oder Königin sein und die Krone tragen.

Befana

Wie in anderen katholischen Gebieten ist der Dreikönigstag in der italienischen Schweiz, im Tessin südlich der Alpen ein wichtiger Feiertag. In einigen Dörfern lebt dazu die Tradition der Befana, einer Spukgestalt. Sie kann als Gabenbringerin, als Nachts die Häuser besuchende Spinnstubenfrau, aber auch als Kinderschreck auftreten. Die Befana fliegt jeweils in der Nacht auf den 6. Januar auf einem Besen durch die Luft und steigt durch den Kamin in die Häuser ein. Sie füllt die Strümpfe, die die Kinder bereitgelegt haben, mit Nüssen, Mandarinen, Süssigkeiten und anderen kleinen Geschenken. Böse Buben und böse Mädchen erhalten nur Kohlestücke. Nördlich der Alpen ist dies der Brauch des Samichlaus als Sankt Nikolaus.

Fasnacht Die Darstellung der Befana [Bercht] als Hexe macht sie zu einem Motiv der bevorstehenden Fasnacht.

Diese Inhalte sind Belege für das Absorptionsvermögen des jungen Christentums. Denn sie deuteten und formten die früheren Feste um. Als einziger der Evangelisten berichtet Matthäus von Sterndeutern, die aus dem Osten kommen, um den Messias anzubeten. Doch ist bei ihm weder von Königen noch von der Dreizahl die Rede. Mit der Überführung ihrer Gebeine von Mailand nach Köln 1164 erhielt die Verehrung der Könige Auftrieb.

Mit Blick auf den Beginn des früheren Arbeitsjahres an Lichtmess [Imbolg, Imbolc] am 1. Februar ist Dreikönig regional auch Start der Vorbereitungen für die Fasnacht im Februar, früher wohl Gelegenheit, manche Tätigkeiten und Beziehung neu zuzuordnen. Das sich maskiert begegnen im Februar [wie auch im November an Martini] hat vermutlich mehr mit einer einst üblichen Neuverteilung der Abhängigkeiten und Zuständigkeiten zu tun als mit den stets rezitierten und voneinander abgeschriebenen Fantasien über Masken-Brauchtumvon mit Geistern und Dämonen. Fasnacht, die Zeit der Verwandlung - Maskerade beinhaltet in erster Linie die anonyme Begegnung auch von sich Bekannten [bis zur Demaskierung].

Nibelungen, Wilde Jagd, Wotan, Vuotisheer, [Wuodan, Wuotisheer]
Türst [Dürst], Sträggele [Strichele], spräggele

Spräggelen in Ottenbach ZH In das schweizerdeutsch sprachige, ehemals helvetisch-keltische Gebiet wurde ein Arme-Seelen-Glauben vermutlich aus dem Norden die Reuss aufwärts eingeschleppt und ist vor allem in Sagen um die Stadt Luzern, Pilatus [Drachen], Entlebuch und Haslital überliefert. Diese regionalen Besonderheiten haben aber keine erkennbar nachhaltig kulturelle Wirkung entfaltet [vielleicht mit Ausnahme auf das Konzil von Basel [1431-1449] und der resultierenden Verfolgung von Hexen].

Das nordisch germanische Asatru ist im schweizerdeutschen Raum weitgehend bis vollständig unbekannt. Von den nordischen Spukgestalten, den Trollen, Zwergen, Riesen und wie sie alle heissen, fehlt im Gebiet der ehemals keltischen Helvetier jede Spur. Hier hat das magische Bild die Umbildung der deutschen Nibelungensage nicht mitgemacht, regionale Abweichungen ausgenommen. Die Gespenster und Geister entstammen überwiegend dem kirchlichen Armenseelen-Glauben [Spukgestalten].




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