Jahreskreisfeste

Der angebliche keltische Jahreskreis, Festkalender

Jahreskreis

Als Jahr wird heute [und nicht in keltischer Kultur] die Dauer eines Umlaufes der Erde auf ihrer Bahn um die Sonne bezeichnet, in Form einer Ellipse. Die Kelten fassten angeblich 62 Monde [Monate] zu einer Einheit zusammen.

Die Jahreszeiten sind je nach Standort auf dem Globus unterschiedlich, sie entstehen durch die Neigung der Erdachse [Ekliptik] und die dadurch bedingten Sonnenwenden, je gegensätzlich auf der nördlichen und der südlichen Halbkugel.



Vorgängig zum begrifflichen: Ein Fest meint nicht zwingend eine Feier, sondern einen ganz bestimmten Anlass aus einem ganz bestimmten Grund. Von einer Verbindung zum Brauchtum, Kult oder Mythologie im Sinn der möglicherweise früheren Vorstellungen zu trennen ist die eigene heutige Verständlichkeit der Inhalte. So galt etwa bis ins 17. Jahrhundert das im nachhinein falsche geozentrische Weltbild, wonach die Gestirne die Erde umkreisen, usw. Für die Gegenwart an sich völlig belanglos, wer da in der Vergangenheit wann und was gefestet oder gefeiert hat. Ob beispielsweise Jul [Yul] oder Weihnachten an welchem Kalendertag genau festgelegt werden ist für den gedanklichen Inhalt völlig unbedeutend. Was heute als Sonnenwenden bekannt ist durch die Ekliptik der Erdachse, wurde einst bloss als länger oder kürzer werdende Tage oder Nächte wahrgenommen. Aus einem modernen Blickwinkel heraus spielt das exakte Datum keine Rolle, sondern ist höchstens historisch von Interesse.

Ein Jahreskreis der Sonne in der Mythologie bezieht sich auf sesshaften Ackerbau im Flachland und ist darum eher nicht keltisch. Allein mit dem Kreislauf von Saat und Ernte, Wintertod und Frühlingserwachen rückte die Sonne in den Mittelpunkt und führte einst andernorts zu einem Weltbild mit metaphysischen Gestalten. Dies trifft nicht zu bei Bevölkerung der Berge und der Alpentäler, wo vorwiegend Jagd und Viehzucht betrieben wurde. Dort tritt an die Stelle des solaren Kreislaufes die Übergrösse der Landschaft, die Übermacht und Tücke der Naturgewalt als tieferes Ur-Erlebnis des grossen Grauens vor dem Unbekannten, Unpersönlichen und Unfassbaren. Dieses unmittelbare Erlebnis bewirkt im Menschen die magische Haltung [Was ist Magie?] - inmitten der Eindrücke aus mehreren Jahreszeiten gleichzeitig, im Tal unten den Sommer, auf der Alp dem Frühling oder Herbst entgegen und auf dem Pass oben das Schneegestöber des Winters.

Wann und wie, wenn überhaupt, in keltischer Zeit auf dem Festland Hochfeste begangen wurden ist nicht überliefert. Die heute oft rezitierte und voneinander abgeschriebene Aufzählung von vier grossen Festen bei den Kelten mit Samain [Samonios, Samhain, Allerseelen], Imbolg [Imbolc, Lichtmess], Beltane [Beltaine] und Lugnasad [Lughnasad] stützt sich vor allem auf den rekonstruierten [späteren] irischen Kalender. Die Zahl vier und Jahreskreis sind jedoch eher unwahrscheinlich für keltische Vorstellungen. Falls die keltischen Druiden die 3x3-Trinität lehrten, wurden vermutlich auch unterschiedliche Fest-Riten mit jeweils je zwei gegensätzlichen Polen als Feste praktiziert. Die zwei Tages-und-Nacht-Gleichen und die zwei Sonnenwenden ergeben vom Inhalt her keinen Kreis. Wobei es sich keltisch eher um eine Art von Umpolung handeln dürfte, wichtig ist die Gegenwart dazwischen, also die gesamte Zeitdauer zwischen den beiden Bezugpunkten Samonios und Beltane zum Beispiel bei der Tagundnachtgleiche [Äquinoktium]. Die Vorstellung eines Werden und Vergehen in Form eines Kreises, Jahreskreis, ist mit Bezug auf die Seelen eine christlich geprägte. Keltisch ist auch das Nichts wie das Alles gegenwärtig als Ganzes - das Sein etwas Werdendes, welches lediglich die Form ändert. Der christliche Leib-Seele-Dualismus [Animismus] hat keinen keltischen Hintergurnd. Zudem ist anzumerken, das Sonnenjahr, wie es heute kalendarisch verwendet wird, war noch nicht in Gebrauch. Die Kelten bündelten offenbar 62 Monde [Monate] zur einer Einheit [exakt 5 Sonnenjahre, der keltische Kalender].

Die vier Veranstaltungen als Feste ergeben also keinen Jahreskreis, sondern bilden zwei Achsen mit je zwei Polen; den Sonnenwenden und den Tagesundnachtgleichen.

Der Festkalender ist ein kultureller Taktgeber einer Gesellschaft. Der Mensch hat keinen Sinn für den Zeitverlauf, die historische Zeitmessung entsteht mit dem Tag- und Nachtwechsel durch die Drehung der Erde um die eigene Achse. Ein Mensch lebt so gesehen nicht in der Zeit, sondern von einem Ereignis zum nächsten. Man freut sich auf den nahen Feierabend, das kommende Wochenende oder das nächste Ereignis.

Davon ausgehend, dass die Trinität bezogen auf das deutschsprachige Westeuropa einen keltisch-druidischen Hintergrund hat und der Stichtag für das christliche Hauptfest der Auferstehung an Ostern [der Frühlingspunkt am 21. März] ebenfalls allein von den keltischen Druiden exakt zu bestimmen war, ergeben die weiteren Umdeutungen im christlichen Festkalender einen vermutlich annähernd vollständig keltischen, mit dem Vorbehalt, dass vielleicht wichtige Feste nur alle 62 Monde [5 Jahre] begangen wurden:
- 21.12. längste Nacht [Inhalt von Lichtmess am 1. Februar]

- Weihnachten [Samonios, Samain, Samhain, Allerseelen am 1. November]

- 31.12. Neujahr kalendarisch

1. Februar: Lichtmess, Imbolg, Imbolc [Wahl der Mittel zum Zweck]

- Aschermittwoch, Fasnacht

- 21.3. Frühlingspunkt, Auferstehung der Natur
- Ostern [Inhalt von Beltane, Beltaine am 1. Mai]

- Walpurgisnacht Hexen

1. Mai: Beltane, Beltaine [Halbzeit-Wechsel, politischer Tag der Arbeit]

- Pfingsten
- Flurumgänge, Besitzmarkierung

- 21.6. kürzeste Nacht [Inhalt von Lugnasad am 1. August]

1. August: Lughnasad, Lugnasad [Bestätigung des Erfolges]

- 21.9. die Nächte werden länger als die Tage [Inhalt von Samonios am 1. November]
- Erntefeste
- Chilbi, Kirmes

1. November: Samonios, Halloween [Halbzeit-Wechsel, Allerseelen]

- 11.11. Martini [Ende der Verträge]

- Rüben-Lichter Umzüge [Transport der neuen Feuer]
- 6.12. Waldchlaus mit Schmutzli, Samichlaus, Nikolaus

Regional werden dazu eine Unmenge alter wie neuer Tage begangen, gefeiert oder gewürdigt [Muttertag, Valentinstag, Nationalfeiertage usw.]. Heute sind für die Arbeitnehmerschaft im 5-Tage Woche mit 1 Wochenende Rhythmus allerdings meistens die Ferien der nächste angestrebte Zeitabschnitt. Zur Besinnung und gesellschaftlichen Identifikation empfiehlt es sich, den obenstehenden Festkalender keltischen Ursprungs einfach ohne Bezug zu Ideologie und Religion zu spüren und soweit möglich zu leben. An welchem Datum ist dabei eher unwichtig.

Weihnachten/Neujahr, Ostern und Pfingsten waren schon bei den Kelten wichtige und zentrale Inhalte, einfach anders bezeichnet und können und sollten nach wie vor entsprechend gewürdigt und gefeiert werden - als Besinnung auf die gedanklichen Inhalte im modernen und aktuellen Zusammenhang. Sonnenfeste kannten die Kelten bereits keine mehr, die gehören im Europa nördlich der Alpen weit zurück in die Steinzeit und Bronzezeit und können aus der Moderne heraus nicht mehr verstanden werden. Der griechische Apoll und der römische Sol Invictus sind importierte Ideologie aus anderer Kultur.

Zu beachten ist, all' diese Zusammenhänge haben den Bezug zur früheren Arbeit an einem exakten naturwissenschaftlichen Kalender.

 

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