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Pilatusbahnen
Decke der Bergstation Pilatus Kulm

Der Drachenstein vom Pilatusberg

Was sind Drachen? Die reiche und vielfältige Welt der Drachensagen wird in der deutschsprachigen Schweiz geprägt durch zwei heraus ragende Legenden, welche deutlich den Kulturwechsel vom untergegangenen keltischen Druidentum hin zur neuen abendländischen Geistlichkeit nach der alemannischen Besiedlung aufzeigen können. Es ist dies einerseits die nachstehend beschriebene Geschichte vom Drachenstein am Pilatus, dem Berg des "Christus-Mörders" Pontius Pilatus und andererseits die Legenden um die Beatushöhlen vom Heiligen St. Beatus, dem "Drachenbezwinger" am Beatenberg im Berner Oberland.

Dabei ist zu beachten, die Drachen sind nicht keltisch, sondern vermutlich von christlicher Mission eingeschleppte Verbindungen mit nordisch germanischem Gespenster-Glaube. Siehe auch hier: Spukgestalten.

Der wahre Brocken (Brochenberg) der Schweiz heisst Pilatus

PilatusseeIm Mittelalter hiess das Pilatusmassiv, der erhabene Hausberg der Stadt Luzern noch fractus Mons (gebrochener Berg), Frakmont oder Fräkmünt. Der älteste Bezug auf den Namen fractus mons stammt um 1100. Der herkömmliche Name Fräkmünt wurde im 15. Jahrhundert allmählich verdrängt und durch den Namen Pilatus ersetzt. Erstmalige Verurkundung 1475, Pylatus (1480), Mons Pilati (1555), Pilatusberg.

Der Berg verdankt diesen Namen einer Sage, die schon im christlichen Altertum bekannt und im Mittelalter allgemein verbreitet war. Der Statthalter Roms in Jerusalem, Pontius Pilatus, der sich sehr zwielichtig für die Unschuld Jesu (in der christl. Überlieferung) eingesetzt habe, soll im Gipfelsee bei der Oberalp seine letzte Ruhestätte gefunden haben. Hier habe die Leiche endlich ihr Grab erhalten, nachdem sie an andern Orten, in Vienne bei Lyon und bei Lausanne nicht mehr geduldet worden war. An jedem Karfreitag soll der römische Statthalter von Judäa aus seinem nassen Grab steigen und auf einem Sessel mittem im greulichen Sumpf zu Gericht sitzen, bekleidet wie ein Fürst von einem purpurnen Gewand. Regelmässig ersteige der Geist im weissen Hemd den Berg und kauert auf einer Felsplatte hoch über dem Moor. Diese Platte wackelte nachher noch während vieler Jahre. Deswegen nannte man den Gipfel Gnepf- oder Gnappstein. Gnappen bedeutet wackeln.

In der Bildmitte der Krater mit dem verlandeten Pilatussee

Dieser Wackelstein kann auch mit einem keltischen Bergkultus in Verbindung gebracht werden. Ein Blitz soll nach der Überlieferung die Steintafel gespalten haben und liess sie in den Abgrund stürzen. Als das Christentum in der Region Einzug hielt, hatte die neue Geistlichkeit viel gegen die nicht weichen wollenden heidnischen Bräuche anzugehen. Es wird vermutet, dass sie die Sage von Pontius Pilatus mit dem unheilgebärenden Pilatussee in Verbindung brachten, um die Stätte zu einem streng zu meidenden Ort zu machen. Bis ins Jahre 1594 war der Besuch des Pilatussees und des darüber liegenden Gipfels von der Obrigkeit verboten. Wer sich ohne ausdrückliche Erlaubnis des Rates der Stadt hinauf begab, wurde bestraft. Als aber der See und die Sümpfe verlandeten und nur noch glucksende Pfützen waren, hob man das Verbot Im Jahre 1594 auf.

Die Sagenwelt im und um das Pilatusmassiv ist sehr vielfältig und auch gut dokumentiert Der Pilatus war früher düsterer Sitz tückischer Unwetter und Wasserstürze. Er wurde zum Sitz von Drachen und Gewürm, von Hexen und Zauberern, aber auch zum Wohnort der kleinen guten Bergleute, die den Menschen wohl gesinnt waren. In der ganzen Schweiz gehen Sagen um von Zwergen. Zwerge sind jedoch, wie auch Trolle, Riesen und dergleichen, eingeschleppte nordische Spukgestalten. Auch hoch oben in den Pilatus-Höhlen hätten sie gelebt, diese Herdmannli, "Mandli" ist luzernisch für Mann, die in einem Mannloch (mundartlich Maloch) hausten, die hüteten das edle Gestein im Berge, waren den Menschen hilfreich, liebten besonders das Schweinefleisch, und wer ihnen gab, hatte es gut und erfreute sich ihrer Gunst. Manchmal sahen sie auch dem Heuen zu und halfen nicht. Einstmals verdross das einem Heuer, der machte mit noch einem Kameraden, bevor die Arbeit anging, ein Feuer auf den Felsstein, darauf die Herdmanndli zu sitzen und zuzusehen pflegten, und kehrten dann geschwind Asche und Kohlen vom heissen Steine weg. Als die Manndli kamen und den Stein betraten, verbrannten sie sich ihre Füsse. Da schrien sie überlaut und kamen nimmermehr wieder. So auch kamen Bergmanndli vom Pilatus ins Haslithal von der Flüh herunter, den Heuern zuzuschauen; die waren gewohnt sich auf die Aeste und Zweige eines schattigen Baumes zu setzen. Das merkten Schälke und sägten die Aeste knapp durch, daß die armen Manndli herunterfielen. Da erhuben sie ein jämmerlich Geschrei. Und nachher hat sich im Haslithal niemals wieder eins sehen lassen.

Seit Jahrhunderten hatten Älpler von einer Höhle am Pilatus die Mondmilch ins Tal gebracht, feine Calciumcarbonat-Ablagerungen des Höhlenbachs. Das Mondmilchloch wird 1555 erstmals erwähnt. Im Luzernischen galt diese "Milch", mit Wasser angerührt, noch bis 1900 als Heilmittel gegen Sodbrennen und Muttermilchmangel.

Der Drachenstein

Der wohl berühmteste Drachenberg der Schweiz ist der Pilatus bei Luzern. Auch die Versenkung des Pilatus in einem kleinen Bergsee brachte nicht den gewünschten Erfolg. Pilatus nahm bald alle Höhen in Besitz und fuhr als scheussliches Ungeheuer kreuz und quer darüber hinweg. Dies, bis es einem fahrenden Schüler aus Salamanca (spanische Provinzhauptstadt) gelang, ihn durch kräftige Beschwörungsformeln wieder in den See zurückzubannen. Allerdings mit der Zusage, dass Pontius alljährlich am Karfreitag mitten im See seinen Richterstuhl aufrichten und im Ornate darauf thronen dürfe. Im Wasser der Pfütze hielt er sich in der übrigen Zeit still und manierlich, nur musste man ihn ungeschoren lassen. Sobald man am See laut sprach, gar seinen Namen rief oder Holz und Steine in das Wasser warf, wurde er zornig. Es wurde schwarz am Berg, Blitze feuerten und Donner rumpelten. Graus und Verheerungen brachen über das Land drunten am See herein. Das Betreten des Gebietes wurde verboten.

Die alten Sagen berichten vom unterschiedlichsten Aussehen: Flügellose, geflügelte, fliegend-anzündende und fliegend-feuerspeiende Drachen sollen auf diesem Berg gehaust haben. Zwischen Pilatus und Rigi flogen sie hin und her, und einer von ihnen liess den heil- und wunderkräftigen Luzerner Drachenstein fallen.

Pilatusdrache Auf dem Bild links (zum vergrössern anklicken), Quelle ZHB Luzern, Sondersammlung Handschriften & alte Drucke von Johann Leopold Cysat sind am unteren Rand drei verschiedene Steine abgebildet, nebst einer Himmelsscheibe und einem geometrisch wirkenden Gerät. Der Drachenstein erhält dadurch einen möglichen Bezug zu den Kernkompetenzen des untergegangenen keltischen Druidentums (Himmelsbeobachtung).

Im Sommer 1421 flog ein gewaltiger Drache von der Rigi zum Pilatus und stürzte so nah bei Bauer Stämpfli in die Tiefe, dass dieser in Ohnmacht fiel. Als der wieder zu sich kam, fand er einen Klumpen geronnenes Blut und, als er darin herum stocherte, den Drachenstein.

Drachenstein Der Stein wurde von Nachkommen Stämpflis 1509 dem Wundarzt Martin Schriber zu Luzern verkauft, welcher sich 1523 vom Schultheiss und Rat der Stadt Luzern die Wunderkraft des Drachensteins in einer Urkunde bestätigen liess. Der weitere Verbleib des Drachensteins lässt sich bis heute verfolgen. Der Kanton Luzern kaufte ihn 1929, seither ist er in Staatsbesitz.

Der Luzerner Drachenstein war bis Ende des 18. Jahrhunderts eine Weltberühmtheit, nicht nur wegen seiner wunderbaren Herkunft, sondern auch wegen seiner angeblichen Heilwirkung bei allerhand Krankheiten. Selbst Kaiser und Könige und Herrschaft Venedig sollen nach seinem Besitz getrachtet haben, um den Stein als ein Wunder der Natur in ihre Schatzkammern aufzunehmen (Bild Natur-Museum Luzern).

 

Die Hexen vom Pilatus

Sagen erzählen mit aller Bestimmtheit von Hexen, die auf dem Widderfeld des Brocken den Schnee weggetanzt hätten, siehe Walpurgis um ihre heissen Füsse zu kühlen. In der Nähe der heutigen Kapelle im Eigental stand eine Scheune, in der regelmässig Hexentreffen gehalten wurden, da die Bäuerin selber eine Hexe gewesen sei. Noch jetzt heissen die Gräben zwischen den Liegenschaften Füchsbühl und Würzen Hexengraben und Hexentobel. Die Hexen, die sich im Pilatusgebiet herumtrieben, sollen recht "gruselig" ausgesehen haben. Als Geschirr zur Ausübung ihres unheimlichen Gewerbes trugen sie das Häfeli mit Salbe zum Viehverderben und Hagelmachen, dazu den unvermeidlichen Besenstil. Der Ausdruck "Hexenbesen" ist heute noch gebräuchlich für missgebildete Zweige an Tannen.

Die Marienkapelle im Eigenthal soll im Jahre 1517 gebaut worden sein. Im Deckenbild ist die Geschichte um eine böse Seuche dargestellt, die zum Bau der Kapelle geführt hatte. Männer des Tales fanden sich zusammen, um zu beraten, wie der Seuche Einhalt geboten werden könne. Da erschien in ihrer Mitte unversehens ein ehrbarer, grauer Mann aus dem Aargau. Er gab den Männern den Rat, zu Ehren der Himmelskönigin Maria eine Kapelle zu errichten und jedes Jahr darin eine Messe zu lesen. Hierauf verschwand der Mann. Die Männer machten sich unverzüglich ans Werk. Die bösen Geister und Hexen, die die todbringende Krankheit gebracht hatten, verliessen hierauf fluchtartig das Tal.

Eine andere Sage jedoch macht die Aussage, dass den Zwergen am Pilatus das Verdienst zukomme für das Versiegen der Pest. Mit furchtbarer Stimme sollen sie vom Berg herab gerufen haben: "Esset schwarze Astrenzen und Bibernellen, so sterbet Ihr nicht alle!"

 

Quellen:

Die Drachen vom Pilatus
Die Drachenstadt Luzern
Pilatus-Bahnen
Der Berg Pilatus
Der Pilatussee
Das Mittaggüpfi
Natur-Museum Luzern


Hugo Nünlist: Der Pilatus und seine Geheimnisse
Hans Pfister: Pilatus, Sagen und Geschichten
P.X. Weber: Der Pilatus und seine Geschichte
Bernhard Zimmermann: Pilatus - der weltbekannte Berg in der Schweiz








 

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