Kelten
Harder Kulm

Der Berggeist Harder

Bitte beachten: Geist und Geister entstammen nicht der mit keltisch bezeichneten Kultur, sondern gehen etymologisch [sprachwissenschaftlich] auf die indogermanische Wurzel *gheis- zurück im Sinn von erschaudern oder ergriffensein, erregt- oder aufgebrachtsein. Der Begriff entstand demnach einst als eine Schnittstelle zwischen der mit unbekannt, magisch, zu bezeichnenden direkten Betroffenheit und der aus dem Chaos herausgelösten bekannten, als bewusst wahrgenommenen menschlichen Wirklichkeit. Das westgermanische Wort *ghoizdo-z bedeutete dann übernatürliches Wesen und wurde mit der Christianisierung der Germanen christlich umgedeutet, so dass der Begriff "Geist" als Übersetzung für den biblischen Spiritus Sanctus diente. Dieser Sinngehalt des Wortes hielt sich bis in die Gegenwart, so dass Geist auch als Synonym für Gespenst verwendet wird.

Mehr zum germanischen Neutrum Gott und Geist. Keltisch: Spuk-Gestalten

Der Harder ist der Hausberg von Interlaken im Berner Oberland (Schweiz). Vom Kulm aus geniesst man einen fantastischen Blick über das gesamte Gebiet zwischen Thuner- und Brienzersee.


Wer den Harder von Interlaken aus genau betrachtet, dem fällt aber noch etwas anderes auf: Mitten im Harderwald befindet sich eine felsige Fläche. In dieser erkennen exakt Beobachtende das Gesicht eines Mannes: ein Schnurrbart, die markante Nase und die Augen. Wie das Gesicht in den Berg gekommen ist, beschäftigte die Bevölkerung schon seit langer Zeit.


Hardermannli

Die Sage um das Hardermannli

Als das Kloster Interlaken der Sage nach auf der Höhe seiner Macht stand, seien Fülle und Üppigkeit die Losung seiner Mönche geworden: Damit verging auch der Ruhm der Frömmigkeit, den dieses Kloster im ganzen Lande genoss. Einst traf ein hoch am Harder spazierender Mönch ein Unterseener Mädchen beim Holzsammeln. Er stellte ihm nach und jagte es den Waldweg entlang. Da sprang das verfolgte Mädchen in seiner Angst über die furchtbare, jähe Fluh (Abgrund) hinaus und fand den Tod. Der Mönch aber wurde vom himmlischen Richter irdischer Untaten in Stein verwandelt, und dazu verflucht, unerlöst Jahrtausende lang zur Stelle seines Verbrechens hinunterzuschauen.»

Eine andere Version der Sage besagt, der Abt des Klosters Interlaken, Leonhardus, von allen jedoch nur Harder genannt, war ein grausamer Mensch und immer auf seinen Vorteil bedacht. Er war völlig vernarrt in eine Fischerstochter und verpasste keine Gelegenheit, um dem Mädchen nachzustellen. Als es aber eines Tages schwanger wurde, schluckte es Gift und berichtete noch vor ihrem Tod ihrem Vater. Dieser wurde so wütend, dass er dem Abt Harder mit einem Beil den Schädel spaltete. In diesem Moment erzitterte die Luft von Donnergrollen und Blitzen, Steine fielen vom Berge Harder. Als der Fluch vorüber war, erkannten die Menschen im Fels des Harders Gesicht, dass von nun an als Mahnmal für schandhafte Taten auf die Bevölkerung herab blickte.

Die Harder-Potschete Interlaken

Zu Zeiten, wo der Raum zwischen dem Thuner- und Brienzersee noch von einem Kloster regiert wurde, zogen die Jugendlichen von Interlaken und Unterseen maskiert zum Kloster in Interlaken. Dort wurden sie nach altem Brauch verköstigt, mit Brot, Wein und Geld bedacht. Diese Spende war ursprünglich eine Gabe an die Toten, welche man den Maskierten verabreichte. Der Umzug zum Kloster und das "betteln" um die "guet Jahresgaben" wurde Chlummlen genannt.

Harderpotschete
Seinen Namen hat dieser Brauch von den Potschen oder «Süüblaateri» (Schweineblasen). Die Metzger stellen auf den 2.Januar hin eine ganze Menge davon bereit. Diese werden mit Luft gefüllt solange sie noch weich sind und damit wird, symbolisch, auf die Nicht-Maskierten eingeschlagen. Anfänglich wurden die Blasen an Stecken befestigt, bei Sudelwetter durch den Dreck gezogen und dann irgend einem «Opfer» um den Kopf geschlagen. Im Laufe der Zeit ging der Name des Requisits auf seinen Träger über, so dass man heute von der «Besammlung der Potschen auf dem Marktplatz» spricht.

Jeden 2. Januar wird Interlaken vom Hardermann, seinem Wyb und den Potschen, seinem Gefolge, heimgesucht. Maskierte (sog. Potschen) rennen durch die Strassen, brüllen, reissen Zuschauer mit und verbreiten "Angst und Schrecken". Nebst Tanzanlässen und Trychler-Umzügen sind vor allem die "Chlummler"-Umzüge am 2. Januar noch verbreitet. Die ledige Jungmannschaft zieht (meist geschminkt und verkleidet) mit Lärm und Gesang von Haus zu Haus und "bettelt" Geld, Wurstwaren und Getränke.

Quelle/Bild

Beim ursprünglichen Chlummlen, bzw. der Ähnlichkeit, einer Gabe für die Toten einfordern, handelt es sich offensichtlich um den mit Halloween gelebten Brauch aus der Zeit der Kelten. Die Verbindung mit der Sage vom Hardermannli erfolgte erst 1955 mit der Gründung des Harder-Potschete Verein Interlaken, weil das Maskentreiben jegliche Form verloren hatte. Unter dem Deckmantel des Maskenrechts wurde geplündert, randaliert und sogar vergewaltigt. Hinzu kamen regelrechte Schlägereien zwischen Gruppen aus rivalisierenden Gemeinden.



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