Kelten

Belenos

[auch Belinos, Belenus, Belus, Belanus, Bellinus, Bellinos]

kelt. Belenuntia = Bilsenkraut [Hyoscyamus niger]

Belenos und Belinsama sind Inhalt vom Halbzeit-Wechsel in vergangener keltischer Kultur, wo mit dem 1. Mai der Sommer-Anfang fixiert wurde aufgrund der Tagundnachtgleiche vom 21. März. Belenos ist keine angebliche Gottheit, sondern die Handlung selber ist Belenos, also der [Tauf-]Kessel beim Lebens-Baum [Maibaum] wie die Darstellung im Silber-Kessel von Gundestrup zeigt.

Die Widderkopf-Schlange verbindet Samonios [Samain] und Beltane [Beltaine]

Beltane - Belenus [Gundestrup]

Samonios und Beltane gehören untrennbar zusammen als fortdauernder Halbzeit-Wechsel. Während an Samonios die nach überall und nirgends davon schwimmende Figur mit Cernunnos durch Halsring [Torques] und Widderkopf-Schlange verbunden wird, geht an Beltane die Widderkopf-Schlange dem Umzug voran, der von Belenos in dem Kessel mit dem Zaubertrank, vermutlich auch Bilsenkraut enthaltend, als magischer Bann, welcher nur bei Erneuerung wirksam bleibt, getauft wird. Bei diesem Kessel ist der Lebensbaum [Maibaum] verwurzelt dargestellt. Der Vorgang zeigt, folgert, jene Wiederholung in der magisch gedanklichen Besitzergreifung, die noch heute in einer jährlichen persönlichen Feier von Geburtstag als verkümmerter Rest enthalten ist.

Samonios - Cernunnos [Gundestrup]

Die vielen gefundenen Figuren und Inschriften aus keltischer resp. gallo-römischer Kultur sind keine Gottheiten, sondern Hinweis auf den gedanklichen Inhalt, auf den Zusammenhang. Vergleichbar heute dem Hauptwort, der sprachlichen Substantivierung durch Ober-Begriff. [Diodor von Sizilien überliefert [XXII] wie Brennus, der Führer der Gallier auf dem Zug durch Griechenland, in Lachen ausbrach angesichts der Tatsache, dass dort dem Natürlichen im Tempel menschliche Gestalten zugemutet und Symbol-Figuren aus Holz und Stein hergestellt wurden].

Betreffend einer stets rezitierten und voneinander abgeschriebenen Behauptung vom angeblich keltischen Gott oder vermeintlich keltische Gottheiten lesen Sie bitte hier: keine keltischen Götter und Göttinnen. Keltisch ist die Natur selber jenes, was in anderer Kultur als etwas über-natürliches benannt wurde, direkt und ohne Symbole. Ein Verständnis der keltischen Mythologie setzt voraus den zentralen Inhalt jener Vorstellungen, wie sie überliefert sind, als Beispiel, vom römischen Lucanus [Pharsalia, I, 455]: Der Tod sei die Mitte eines langen Lebens ... es herrsche also weiterhin der gleiche Gedanke [nicht Geist], nur in einem anderen Körper und in einer anderen Welt.

keltisch monistisch ist die Anderwelt [l'autre monde] in dieser Welt

Widder beim Widderstossen

Warum hat die Schlange einen Widderkopf? In freier Wildbahn gehen männliche Schafe oft aufeinander los und krachen dabei mit den Hörnern zusammen beim Widderstossen. Der Schwächere gibt nach. Auffallend auch der Menstruationszyklus des weiblichen Schafes. Schafe von nicht saisonalen Rassen sind das ganze Jahr über im Rahmen der Zyklen empfängnisbereit. Schon in der Jungsteinzeit [Neolithikum], vor etwa 6000 bis 8000 Jahren, wurden Schafe zu Haustieren gemacht; seitdem liefern sie dem Menschen Fleisch, Milch und Wolle.

Zu den Höhepunkten des Gauder-Fests am ersten Wochenende im Mai in Zell im Zillertal zählte lange Zeit das Widderstossen, das der uralten Tradition der europäischen und asiatischen Hirtenkultur entspringt. Es dürfte damals der kulturhistorisch älteste Tier-Wettkampf am Gauder Fest gewesen sein. Schon seit jeher war die örtliche Bier-Brauerei unmittelbar mit dem Fest verbunden: Am ersten Wochenende im Mai öffnete der Braumeister die Stadel und Schupfen des Gauder-Anwesens.

Einen Hinweis auf die Art vom Fest Beltane findet sich in der legendarischen Überlieferung der irischen Wandermönche: Auf der Flucht vor dem Franken-König Theoderich und nach einem erfolglosen weiteren Bekehrungs-Versuch am oberen Zürichsee in Tuggen bei Benken strandete Columban mit seinem Gefährten Gallus um das Jahr 611 in Arbon am Bodensee und zog schliessslich nach Brigantium [Bregenz]. Brigantium war in vor-römischer Zeit ein keltischer Hauptort, dann römische Provinz-Stadt mit einer Aurelia-Kapelle. Nach Abzug der Römer lebte damals in der Umgebung von Brigantium eine Bevölkerung, die noch oder wieder grösstenteils ungläubig war und sich des christlichen Aurelia-Kirchleins bemächtigt hatte. Bald nach der Ankunft von Columban und Gallus in Brigantium feierten die Ortsansässigen ein grosses Fest. In der Mitte des entweihten Kirchleins stand ein Kessel mit Gerstensaft, den die Versammlung darbringen, d. h. trinken wollte. Wir fanden hier ein goldenes Gefäss, aber es war mit giftigen Schlangen gefüllt! meinte Columban, als er, bereits 77 Jahre alt, mit den übrigen Gefährten den Staub Brigantiums von den Füssen schüttelte und nach Italien weiterzog. Gallus blieb zurück, nach ihm wurde später das Kloster und der schweizerische Kanton St. Gallen benannt.

Stichwort Bevölkerung zur Erinnerung: Mit dem Zug der Kimbern durch Westeuropa um 110 v.Chr. wurde die Bevölkerung damals aufgemischt. Die keltischen Helvetier und die germanischen Alemannen nördlich und südlich des Rheins waren vermutlich spätestens seither Freundnachbarn und teilweise verwandt. Brigantium, der ehemalige Vorort der keltischen Brigantiner [Bregenz] wurde im 1. und 2. Jhdt. zu einer römischen Siedlung ausgebaut und erlebte bis zur ersten Invasion der Alemannen [259/60] eine Blütezeit. Als 402 die römischen Truppen von der Grenze [Limes] abgezogen wurden, blieb eine gallorömische Bevölkerung zurück, die allmählich von der alemannischen Zuwanderung überlagert wurde.

Bei dem Ritual der grossen Anlässe [Feste] handelte es sich demnach schlicht um ein kontrolliertes kollektives Besäufnis und keineswegs um einen [neuzeitlich] fantasievoll verklärten religiösen Vorgang. Ob da in Bregenz die gallorömische Restbevölkerung einer Morgenröte [Aurelia] oder alemannische Sueben [Schwaben] einem Wodan gedachten spielt überhaupt keine Rolle mit Bezug auf den Kessel mit dem Zaubertrank. Das erklärt auch die angebliche Frist von 40 Tagen zwischen den Sonnenwenden oder Tag- und Nachtgleichen und den jeweiligen Festen. Die Zaubertränke mussten gewiss erst angesetzt und gegärt werden. Die Hochfeste dienten vermutlich auch einem kultivierten Umgang mit den Rausch-Drogen, damals Bilsenkraut, Met, Gerstensaft, Apfelwein etc. Heute finden an fast jedem Volksfest die unkontrollierten Besäufnisse statt und die Zaubertränke sind zur Volksdroge Nummer eins [Alkohol] geworden.

Ein schweizerdeutsches Wort, Chilbi für Volksfest, zeigt ebenfalls deutlich auf diese Zusammenhänge hin: Chilë entspricht dem keltischen cill für Weg, Richtung, später im gälischen Kirche. Der Wortteil -bi ist sehr selten, z.B. noch Chleubi für Geld. Einige behaupten, Chilbi, Kirmes, Kirchweih sei ursprünglich ein heidnisches Fruchtbarkeits- oder Erntedankfest gewesen, das später von der katholischen Kirche adaptiert und mit einem neuen Sinn versehen wurde. Diese oft rezitierte und abgeschriebene Darstellung ist vermutlich falsch, weil der Begriff Dankfest ebenfalls auf eine christliche Prägung bzw. Inhalt hinweist. Der Natur gebührt Respekt, doch sie schenkt den Menschen nichts. Siehe auch hier: Sinn des Lebens.

Mit der neuen, christlich nun angeblich göttlichen Geistlichkeit entstanden aus Belenos [Beltane, Beltaine] in der Folge drei wichtige Elemente mit Auferstehung [Ostern, verbunden mit Lichtmess, Ausgiessung des heiligen Geistes [Pfingsten] und der politische 1. Mai. Die ersten Landsgemeinden [Volksversammlungen] in der direkten Demokratie der Eidgenossen fanden Ende April/Anfang Mai statt. Der in Politik übliche Vier- und Fünfjahresrhythmus legt zusammen mit der Tatsache, dass die Innenseite des Kessels von Gundestrup nebst dem zentralen Mythos fünf Themen enthält, die Vermutung nahe, der magische Ring der keltischen Mythologie beziehe sich auf fünf Sonnenjahre, da die Kelten gemäss Kalender von Coligny jeweils 62 Monde zu einer Einheit zusammenfassten und sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht nach einem Kreis der Jahreszeiten orientierten [Keltenkreuz].

 


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