Belenus oder Belenos Die Widderkopf-Schlange verbindet Samonios [Samain] und Beltane [Beltaine]

Widderstossen - In freier Wildbahn gehen männliche Schafe oft aufeinander los und krachen dabei mit den Hörnernzusammen. Der Schwächere gibt nach. Auffallend auch der Menstruationszyklus des weiblichen Schafes. Schafe von nicht saisonalen Rassen sind das ganze Jahr über im Rahmen der Zyklen empfängnisbereit. Schon in der Jungsteinzeit (Neolithikum), vor etwa 6000 bis 8000 Jahren, wurden Schafe zu Haustieren gemacht; seitdem liefern sie dem Menschen Fleisch, Milch und Wolle.
Hinweis: Das natürliche ist selber jenes, was andernorts als etwas "über-natürliches" benannt wurde, direkt und ohne Symbole. Ein Verständnis der keltischen Mythologie setzt voraus den zentralen Inhalt jener Glaubensvorstellungen, wie sie, als Beispiel, bei Lucanus
(Pharsalia,V. 450f.) überliefert sind: Der Tod sei wie die Mitte eines langen Lebens ... es herrsche also weiterhin der gleiche Geist, nur in einem anderen Körper und in einer anderen Welt. [monistisch gedacht aber in dieser Welt]

Samonios und Beltane gehören untrennbar zusammen als fortdauernder Halbzeit-Wechsel. Während an Samonios die nach überall und nirgends davon schwimmende Figur durch Cernunnos mit Halsring (Torques) und Widderkopf-Schlange verbunden wird, geht an Beltane die Widderkopf-Schlange dem Umzug voran, der von Belenus in dem Kessel mit dem "Zaubertrank", vermutlich auch Bilsenkraut enthaltend, als magischer Bann, welcher nur bei Erneuerung wirksam bleibt, "getauft" wird. Bei diesem Kessel ist der Lebensbaum (Maibaum) verwurzelt dargestellt. Der Vorgang zeigt, folgert, jene Wiederholung in der magisch gedanklichen Besitzergreifung, die noch heute in einer jährlichen persönlichen Feier von Geburtstag als verkümmerter Rest enthalten ist.
Zu den Höhepunkten des Gauder-Fests am ersten Wochenende im Mai in Zell im Zillertal zählte lange Zeit das Widderstossen, das der uralten Tradition der europäischen und asiatischen Hirtenkultur entspringt. Es dürfte damals der kulturhistorisch älteste Tier-Wettkampf am Gauder Fest gewesen sein. Schon seit jeher war die örtliche Bier-Brauerei unmittelbar mit dem Fest verbunden: Am ersten Wochenende im Mai öffnete der Braumeister die Stadel und Schupfen des Gauder-Anwesens.
Einen Hinweis auf die Art dies Festes Beltane findet sich in der legendarischen Überlieferung der irischen Wandermönche: Auf der Flucht vor dem Frankenkönig Theoderich und nach einem erfolglosen weiteren Bekehrungsversuch am oberen Zürichsee bei Tuggen/Benken strandete Columban mit seinem Gefährten Gallus um das Jahr 611 in Arbon am Bodensee und zog schliessslich nach Brigantium (Bregenz). In der Umgebung von Brigantium lebte damals eine Bevölkerung, die noch grösstenteils heidnisch war und sich des christlichen Aurelia Kirchleins bemächtigt hatte. Bald nach der Ankunft von Columban und Gallus in Brigantium feierten die Ortsansässigen ein grosses Fest. In der Mitte des entweihten Kirchleins stand ein Kessel mit Gerstensaft, den die Versammlung darbringen, d. h. trinken wollte. Wir fanden hier ein goldenes Gefäss, aber es war mit giftigen Schlangen gefüllt! meinte Columban, als er, bereits 77 Jahre alt, mit den übrigen Gefährten den Staub Brigantiums von den Füssen schüttelte und nach Italien weiterzog. Gallus blieb zurück, nach ihm wurde später das Kloster und der schweizerische Kanton St. Gallen benannt.
Stichwort Bevölkerung zur Erinnerung: Mit dem Zug der Kimbern durch Westeuropa um 110 v.Chr. wurde die Bevölkerung damals aufgemischt. Die keltischen Helvetier und die germanischen Alemannen nördlich und südlich des Rheins waren vermutlich spätestens seither Freundnachbarn und teilweise verwandt. Brigantium, der ehemalige Vorort der keltischen Brigantiner [Bregenz] wurde im 1. und 2. Jhdt. zu einer römischen Siedlung ausgebaut und erlebte bis zur ersten Invasion der Alemannen (259/60) eine Blütezeit. Als 402 die römischen Truppen von der Grenze [Limes] abgezogen wurden, blieb eine gallorömische Bevölkerung zurück, die allmählich von der alemannischen Zuwanderung überlagert wurde.
Bei dem Ritual der grossen Anlässe [Feste] handelte es sich demnach schlicht um ein kontrolliertes kollektives Besäufnis und keineswegs um einen (neuzeitlich) fantasievoll verklärten religiösen Vorgang. Ob da in Bregenz die gallorömische Restbevölkerung einer Morgenröte [Aurelia] oder alemannische Sueben [Schwaben] einem Wodan gedachten spielt überhaupt keine Rolle mit Bezug auf den Kessel mit dem Zaubertrank. Das erklärt auch die angebliche Frist von 40 Tagen zwischen den Sonnenwenden oder Tag- und Nachtgleichen und den jeweiligen Festen. Die Zaubertränke mussten gewiss erst angesetzt und gegärt werden. Die Hochfeste dienten vermutlich auch einem kultivierten Umgang mit den Rausch-Drogen, damals Bilsenkraut, Met, Gerstensaft, Apfelwein etc. Heute finden an fast jedem Volksfest die unkontrollierten Besäufnisse statt und die Zaubertränke sind zur Volksdroge Nummer eins [Alkohol] geworden.
Ein schweizerdeutsches Wort, Chilbi für Volksfest, zeigt ebenfalls deutlich auf diese Zusammenhänge hin: Chilë entspricht dem keltischen cill für Weg, Richtung, später im gälischen Kirche. Der Wortteil -bi ist sehr selten, z.B. noch Chleubi für Geld. Chilbi, Kirmes, Kirchweih sei ursprünglich ein heidnisches Fruchtbarkeits- oder Erntedankfest gewesen, das später von der katholischen Kirche adaptiert und mit einem neuen Sinn versehen wurde. Diese oft rezitierte und abgeschriebene Darstellung ist vermutlich falsch, weil der Begriff Dankfest ebenfalls auf eine christliche Prägung bzw. Inhalt hinweist. Der Natur gebührt Respekt, doch sie schenkt den Menschen nichts. Siehe auch hier: Sinn des Lebens.
Mit der neuen, christlichen Geistlichkeit entstanden aus Beltane und Belenus in der Folge drei wichtige Elemente mit Auferstehung (Ostern, verbunden mit Lichtmess, Ausgiessung des heiligen Geistes (Pfingsten) und der politische 1. Mai. Die ersten Landsgemeinden (Volksversammlungen) in der direkten Demokratie der Eidgenossen fanden Ende April/Anfang Mai statt. Der in Politik übliche Vier- und Fünfjahresrhythmus legt zusammen mit der Tatsache, dass die Innenseite des Kessels von Gundestrup nebst dem zentralen Mythos fünf Themen enthält, die Vermutung nahe, der magische Ring der keltischen Mythologie beziehe sich auf fünf Sonnenjahre, da die Kelten gemäss Kalender von Coligny jeweils 62 Monde zu einer Einheit zusammenfassten und sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht nach einem Kreis der Jahreszeiten orientierten [Keltenkreuz].
Die keltische Mythologie
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