Kelten

Smertrios

[auch Smertrius, Smertrio, Smertulitanos oder Smertullus]

Smertrios

Einzig die Inschrift [CIL XIII 11975] eines gallo-römischen Tempels im Treverergebiet [Rheinland-Pfalz] hat bisher den Namen vollständig erhalten: Marti Smertrio. Allgemein akzeptiert sei die Lesung Smert[ri]os auf einem Relief vom Monument der Nautae Parisiaci, das angeblich den keltischen Gott zeige, in der erhobenen rechten Hand eine Keule und vor sich die Schlange [Bild oben].

Eine solche Deutung ist zu oberflächlich oder dualistisch voreingenommen. Das Bild zeigt nämlich eine linke Hand an einem rechten Arm, [anatomisch korrekt müsste der Daumen rechts sein], und genau dieser Wechsel ist auch der mystische, der geheimnisvolle Gehalt von Smertrios als Schlange [siehe untenstehend]. Zur Behauptung resp. der Desinformation zum angeblich keltischen Götter-Himmel lesen Sie bitte → keine Gottheiten.

Pfeiler der Nautae Parisiaci oder Nautenpfeiler [Pilier des nautes]

Nautae Parisiaci Das Monument aus der gallo-römischen civitas Lutetia, dem heutigen Paris, entstand gemäss seiner Widmung an den römischen Kaiser Tiberius [14-37 n.Chr.] kurz bevor durch dessen Nachfolger Claudius [41-54 n.Chr.] das keltische Druidentum, [und dadurch die Schule der keltischen Kultur], vollständig verboten und unterdrückt wurde.

Die Bilder auf den Steinblöcken zeigen eindrücklich die Verschmelzung bzw. die Umdeutung der keltischen zur römischen Mythologie. Die Stele belegt dadurch auch das römische Miss- oder Unverständnis der keltischen Zusammenhänge:

Der oberste Quader zeigt den keltischen Mistelkult [Esus] mit dem Kult der weissen Stiere [Tarvos Trigaranus] neben dem römischen Jupiter nebst Volcanus. Vulcanus ist das römische Sinnbild des Feuers sowie jedem Handwerk, welches auf die Kraft des Feuers angewiesen ist. Die Berufung von Volkanus in der Mythologie war es als kluger Erfinder auch, die Wunderwaffen für die römischen Götter zu schmieden. Die Alles-Heilende, der berühmte Zaubertrank der Druiden [→ Belenos] aus der dreieinig tatsächlichen Natur [Monismus] erscheint als römischer Jupiter, einer gedanklichen Einbildung eines höchsten Alles-Umfassenden.

Smer-trios, die Widderkopfschlange

Im zweitobersten Block ist die keltisch unvergängliche Seele als Torques zu sehen, [Cernunnos] neben der Schlange [Smertrios]. In der Gesamt-Darstellung der keltischen Mythologie im Kessel von Gundestrup hält Cernunnos in der rechten Hand einen Torques und in der linken Hand die Widder-Kopf-Schlange. Die Schlange erscheint insgesamt auf drei Bildern im Kessel, [Samonios, Beltane, Lugnasad]; Smer-trios sind demnach diese drei Schlangen resp. die keltische Widderkopfschlange.

Dieser Zusammenhang wird auf dem Quader römisch übersetzt mit den den griechischen Dioskuren. Als die Söhne des Zeus werden in der griechischen Mythologie die Halb- und Zwillingsbrüder Castor und Pollux im Zusammenhang von Sterblichkeit und Unsterblichkeit verstanden. In Rom bestand ein ausgeprägter Dioskurenkult. Auf dem Forum Romanum befindet sich der Tempel Aedes Castoris, welcher den Dioskuren Castor und Pollux geweiht war. In der heute erhaltenen Form wurde er unter Kaiser Augustus neu errichtet und im Rahmen der Umgestaltung des Forums im Namen des Tiberius und dessen verstorbenen Bruders Drusus geweiht. Demselben römischen Kaiser Tiberius ist auch die Nautae Parisiaci gewidmet.

 

Bilder der Nautae Parisiaci
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Die vier Seiten vom obersten Block:

Esus Tarvos Trigaranus Volcanus Jupiter
Esus
Alles-Heilende
Mistelkult
Tarvos
Trigaranus
Stierkult
Volcanus
Wunderwaffe
Zauber
Jupiter
Götter-Himmel
Einbildung

 

Die vier Seiten vom zweitobersten Block:

Cernunnos Smertrios Castor Pollux
Cernunnos
unvergängliche Seele
Anderswelt in dieser Welt
Smertrios
Widderkopf-Schlange
Dreieinigkeit
Castor
sterblich
 
Pollux
unsterblich
 

 


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