Kelten

Der Klapper-Storch bringt die Kinder

Woher kommt die Geschichte mit dem Klapperstorch? Wieso bringt der Storch die Kinder?

 

Klapperstörche

Die Legende vom Storch

Weder in alten Märchen noch alten Schriften wird überliefert, dass der Storch die Kinder bringt. Dennoch wird von Generation zu Generation immer noch diese Geschichte erzählt. Populär wurde die Mär vom Kinder bringenden Storch, als das Thema Sexualität verdrängt und deshalb Aufklärung durch Des-Information ersetzt wurde. Die Umstände von Zeugung und Geburt waren nicht mehr für Kinder-Ohren bestimmt. So bedienten sich die Menschen einer Legende, wie jene, wonach die Störche die Kinder aus dem Wasser holen und sie in ein Tuch gewickelt der Mutter überbringen. Von der Legende geblieben ist bis heute der Storchenbiss, eine rötliche Hautfärbung am Hinterkopf eines Neugeborenen, so als ob der Klapperstorch das Kind dort mit dem Schnabel gehalten hätte.

 

Oster-Brauch Klappern [Ratschen]

Das Klappern mit dem Schnabel dient den Störchen der Kommunikation, da sie sonst über keine Stimme verfügen. Deshalb wird der Weiss-Storch auch Klapper-Storch genannt. Geklappert wird zur Begrüssung des Partners am Nest und zur Verteidigung gegen Nest-Konkurrenten. Auch das Balz-Ritual geht mit einem gemeinsamem Schnabel-Klappern einher.

Das Klappern, in einigen Regionen auch Kleppern, Kliäppern, Ratschen [auch Räppeln, Rappeln], Raspeln, Schledern, Kläpstern, Klibberen, Karren, Lören, Garren oder Klacheln genannt, ist ein Oster-Brauch, der in katholischen Gegenden bis heute in der Karwoche gepflegt wird. Ostern gilt als ältestes Fest der christlichen Kirchen. Bei der Überlagerung der keltischen Kultur hatte die neue Geistlichkeit das grösste Problem mit dem Datum für das Fest der Auferstehung = Wiedergeburt, dem Osterfest. Der katholische Klerus konnte offenbar die sich hartnäckig haltenden Bräuche wie das Klappern der Störche im Frühjahr nur verdrängen indem diese umgedeutet zugelassen wurden, [nun müsse als Bet-Ruf geklappert werden weil die Kirchen-Glocken nach Rom geflogen seien].

 

Der keltische Hintergrund mit Imbolg [Imbolc] oder Licht-Mess

Im Februar erscheinen die seit dem letzten Herbst verschwundenen Weiss-Störche wieder auf ihrem Nistplatz [Horst]. Kaum aus dem Nichts [Winterquartier] zurück-gekehrt, bauen die Störche auch bei eisigem Wind in luftiger Höhe an ihren Nestern, paaren sich, als ob schon Frühling wäre und zeigen sich unbeeindruckt von der Kälte. Die Störche leben in einer monogamen Saisonehe. Viele sitzen sogar bereits im Februar auf ihren Eiern und kriegen nach einem Monat die ersten Kinder.

Tatsächlich signalisierte früher im Europa nördlich der Alpen das alljährliche Erscheinen der Störche: Der kalte Winter ist vorbei. Frühlings-Gefühl, Frühjahrs-Putz [Lichtmess, das keltische Imbolg]. In diesem Sinn bringt der Storch die Kinder, vorerst aber bloss seine eigenen. In keltischer Kultur wurde der Sommer-Halb-Zeit-Beginn und Ostern, die Tag-und-Nacht-Gleiche am 21. März durch Beltane am 1. Mai erfasst. Unabhängig der erfolgten Umdeutung durch den katholischen Klerus bedarf die unvergänglich [zeitlose] keltische Seele bzw. die Seelen-Wanderung als Umwandlung weder der Auferstehung noch besteht ein Zusammenhang mit Schwangerschaft, mit dem Klapperstorch. Die Auferstehung der Natur ist vom Frühlings-Punkt am 21. März abhängig, Menschen aber sind ganzjährig zur Fortpflanzung fähig. Das war schon vor 2500 Jahr so und nicht anders. Falls aber damals die Fortpflanzung kulturell begleitet wurde ergeben die vielen Hinweise den unmittelbar einleuchtenden Zusammenhang: Zwischen dem angeblichen Fruchtbarkeits-Kult, erfasst mit Beltane am 1. Mai und der Imbolg am 1. Februar entsprechen die neun Monate exakt der Schwangerschaft. Ob dazu etwas wissenschaftlich historisch nachweisbar ist oder nicht spielt zum verstehen können überhaupt keine Rolle.

KlapperstörcheWeiss-Storch
Detail aus dem Silber-Kessel von Gundestrup, La-Tène-Zeit [5.-1. Jahrhundert v. Chr.]


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