Kelten

Artio

der keltische Bär Artos

 

Artos

Das Bild zeigt die gallo-römische Bronze-Statue der Deae Artioni aus dem 2. Jahrhundert, gefunden in Muri bei Bern. Ebenfalls bei der heutigen Stadt Bern in der Schweiz befand sich in den letzten zwei Jahrhunderten v.Chr. auf der Enge-Halbinsel eine keltische Stadt mit dem Namen Brenodor resp. Brenoduron bzw. Brenodurum. Sie dürfte eines der zwölf von Julius Cäsar erwähnten Oppida der Helvetier gewesen sein. Das Oppidum war mit über 130 Hektar Innenfläche eine der grossen Städte im keltischen Europa. Nach der Eroberung Galliens durch die Römer verlor Brenodurum um 50 v.Chr. an überregionaler Bedeutung, blieb aber weiter bewohnt und in römischer Zeit als gallo-römischer Vicus ein regionales Zentrum. In der Umgebung sind römische Gutshöfe nachgewiesen, der grösste aus dem 2. und 3. Jahrhundert im heutigen Bern-Bümpliz.

Die Behauptung in gängigen Nachschlage-Werken, Artio sei eine gallische Jagd- und Bärengöttin der Kelten, ist frei erfunden oder ein Miss-Verständnis der keltischen Mythologie. Keltisch, [also ohne römische Göttin], ist nur der gedankliche Inhalt vom tatsächlich vorhandenen von Bedeutung: Die Zusammenstellung im Historischen Museum in Bern zeigt den Bären zwischen einem Stammbaum mit offen entblösstem Eichel-Spitz und einer entspannt leicht zurück lehnenden Frau bei einem Blüten-Kelch mit [vermutlich] den Früchten der Mistel.

Artos  Artos

Artos war kein Bärenkult der Kelten, sondern das damals aktuelle Wissen um die Bären in ihrer Natur, welches mit der keltischen Mythologie weiter gegeben wurde von Generation zu Generation. Der Europäische Braunbär [Ursus arctos arctos] war einst in ganz Europa verbreitet. Die Bären verschwinden im Spät-Herbst von der Bildfläche und erscheinen im Frühjahr wieder, jetzt zusammen mit ihren Jungen.

Den Bezug zur natur-wissenschaftlich gestützten keltischen Mythololgie belegt die Tatsache, wie anlässlich der Umdeutung vom Brauchtum im nachkeltischen Mittelalter das Artos als Bär zu einer Gestalt der Fasnacht wurde, zum Fasnachts-Bär. An jenem Ort wo sich früher das keltische Oppidum Brenodor befand wurde im Mittelalter die Stadt Bern gegründet, der Sage nach sei dort der Bär getötet worden. Die Hauptstadt Bern vom gleichnamigen Kanton Bern wurde 1848 zur Bundesstadt der Conföderatio Helvetica. Die politische Schweiz selber hat keine Hauptstadt, sondern bloss einen Sitz der Bundesbehörden in Bern.

Im Brauchtum, heute [2014] erneuert und angepasst, verbringt der Berner Fasnachtsbär ab 11. November [Martini] eingesperrt seine Tage im Winterschlaf, ehe er im Frühjahr wachgeküsst und aus dem Käfigturm befreit wird jeweils am Donnerstag nach dem Aschermittwoch.

Berner-Wappen-Fahne

Der Europäische Braunbär [Ursus arctos arctos]

Die Braunbären sind Waldtiere. Bären sind keine klassischen Raubtiere sondern Allesfresser, die sich bis zu 90% rein vegetarisch erhalten. Sie ernähren sich hauptsächlich von Knollen, Früchten und Blättern. Aber auch Insektenlarven, Nager, Fische, Kälber und Aas stehen auf ihrem Speiseplan. Bei der Futtersuche hilft ihnen ein sehr guter Geruch-Sinn. Die Bären sind Einzelgänger und treffen nur an Reviergrenzen, an ergiebigen Futterquellen oder zur Paarung aufeinander.

In den nördlichen Teilen seines Verbreitungsgebietes verbringen die Braunbären die kalte Jahreszeit in Winterruhe, einem energiesparenden leichten Dämmerzustand. Im Unterschied zu einem Winterschlaf werden Bären sofort wach und können sich verteidigen. Da die Bären in der Zeit vor der Winterruhe enorm viel an Körpergewicht zulegen, kommen sie mit ihrem Fett-Vorrat gut viereinhalb Monate ohne Nahrung aus. Ansonsten sind sie das ganze Jahr, vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv.

Alle ein bis vier Jahre bringt das Weibchen Nachwuchs zur Welt. Im Mai und Juni beginnt die sich bis in die Sommermonate erstreckende Paarungszeit und die Bären geben in dieser Zeit ihr Einzelgängerdasein auf. Akzeptiert das weibliche Tier einen männlichen Annäherungsversuch, dann ziehen beide eine Weile gemeinsam durch das Revier bis es zur Paarung kommt. Danach trennen sich ihre Wege und beide halten Ausschau nach möglichen neuen Partnern. Eine befruchtete Eizelle fängt allerdings nicht sofort an zu wachsen, sondern kann sich erst im Herbst nach einer Keimruhe in der Gebärmutter einnisten und sich nur weiterentwickeln, wenn die Bärin schon genügend Gewicht für die Winterruhe angefressen hat. Darum kommen die meisten Jungtiere zur gleichen Zeit, nämlich etwa im Februar, in der Bären-Höhle zur Welt.

ArtosDer Bärennachwuchs wird etwa sieben Monate nach der Befruchtung geboren. Die eigentliche Tragzeit nach der Einnistung der Eizelle ist mit zwei Monaten sehr kurz. Die ein bis vier, meist zwei, Neugeborenen sind ausgesprochen klein, bei der Geburt nur etwa 300-400 Gramm leicht und um die 30 Zentimeter lang. Die Neugeborenen kommen nackt, blind und zahnlos zur Welt. Erst nach einem Monat öffnen sie ihre Augen. Bis dahin verbringen sie ihre Zeit zwischen Bauch und Arm der Bärenmutter. Die sehr fetthaltige Milch der Mutter lässt die Bärenjungen schnell wachsen, so dass sie schon nach vier Monaten etwa vier bis fünf Kilogramm wiegen.

Im Frühjahr verlassen sie mit der Mutter die Höhle und begleiten sie auf der Futtersuche und bei der Jagd. Ausschließlich die Mutter kümmert sich um den Nachwuchs, während dieser Zeit ist sie ausgesprochen aggressiv und greift nahezu jeden an, einschliesslich der Bären-Männchen und des Menschen. Zumindest bis zum ersten Herbst, meist aber für bis zu zwei Jahren, bleiben die Jungtiere bei der Mutter. Die Mutter ist in dieser Zeit nicht bereit für neuen Nachwuchs, was paarungswillige Männchen manchmal dazu bringt, die Jungtiere zu töten, um eigenen Nachwuchs zeugen zu können. Nur etwa die Hälfte vom Bären-Nachwuchs überlebt die ersten drei Jahre. Die männlichen Nachkommen werden von der Mutter nach Ende der Aufzucht nachdrücklich vertrieben. Weibliche Nachkommen werden noch eine Weile im Revier akzeptiert. In freier Natur können Bären bis 30 Jahre alt werden, in menschlicher Obhut bis zu 50 Jahre.

Braunbären können sich den Verhältnissen der Natur gut anpassen, sind sehr geschickt und überaus intelligent. Neben den Menschen sind Bären die einzigen Lebewesen, die vollkommen aufrecht gehen können. Sie benutzen dazu die gesamte Sohle, was ihre Gangart tapsig erscheinen lässt. Trotzdem erreichen Bären bei der Jagd oder bei Gefahr enorme Geschwindigkeiten von nahezu 60 km/h.

 


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